Rassebeschreibung

Ursprung

Das Ouessant-Schaf (bretonische Zwergschaf) ist die kleinste Schafrasse Europas und stammt von der Ile d’Ouessant im Atlantik vor der Westküste der französischen Bretagne. Durch das raue Klima (Wind, Regen und wenig Bäume zum Schutz) und die karge Vegetation, fand eine natürliche Selektion statt, wobei nur die stärksten Tiere überlebten. So entstand diese sehr kleine, widerstandsfähige Rasse, welche auch unter sehr schlechten Bedingungen überleben bzw. existieren kann (dies ist für uns auch die wahrscheinlichste Theorie, warum diese Rasse so klein ist).


Kennzeichen

Diese Schafrasse ist klein und relativ hochbeinig. Der Kopf und die Ohren sind sehr klein. Die Augen sind dafür sehr groß und ausdrucksstark. Die Mutterschafe haben allerhöchstens kleine "Knubbel", während die Böcke ein ausgeprägtes, geschwungenes Gehörn tragen. Der Schwanz ist kurz und endet kurz über dem Sprunggelenk.

Das Gewicht erwachsener Böcke sollte bei ca. 15 - 20 kg und bei erwachsenen Mutterschafen bei ca. 12 - 15 kg liegen. Die Schulterhöhe sollte 49cm bei Böcken und 46cm bei Mutterschafen nicht übersteigen. Das Ouessantschaf hat eine sehr langabwachsende, dichte und grobe Wolle mit sehr dichter Unterwolle. Die Vliesfarbe muss einheitlich schwarz, braun oder weiß sein, neuerdings wird auch Schimmel geduldet (ca. 70% aller Ouessants weltweit sind schwarz). Das Gewicht des Wollvlies beträgt ca. 10% des Körpergewichts, also 1,2 bis 1,8 kg pro Tier.

Am Hals kann man noch bei einigen Tieren die sogenannten "Glöckchen" (kleine Bommeln) vorfinden. Dabei handelt es sich um keine rassetypische Erscheinung. Die "Glöckchen" sind Ergebnis von Einflüssen, die außerhalb des Ursprunggebietes stattfanden. Die Zuchtbestrebungen sollten darauf abgezielt sein, diese Fremdeinflüsse wieder heraus zu züchten.


Nachwuchs

Die Brunftzeit geht von September/Oktober bis Januar, in Ausnahmefällen auch bis in den März hinein. Die Tragezeit beträgt 150 (+/- 5) Tage. Die Böcke können das ganze Jahr bei den Muttertieren bleiben. Gewöhnlich bringt das Muttertier ein Lamm zur Welt, Zwillinge und Geburtsprobleme sind sehr selten.


Pflege

Die Tiere müssen jährlich einmal geschoren werden. Empfohlen wird ein heißer Sommertag Ende Juni / Anfang Juli. Weiterhin sollten den Schafen regelmäßig die Klauen beschnitten werden. Ebenfalls ist eine regelmäßige Entwurmung sowie eine Behandlung gegen Haarlinge, Läuse etc. empfehlenswert. Weitere Infos dazu gerne per E-Mail oder einfach einen Tierarzt fragen.


Sonstiges

Der Futterbedarf für diese Schafrasse ist sehr gering. Man rechnet ca. 300qm bis 400qm pro Tier an Weideland, so dass schon relativ kleine Wiesen sich zur Haltung dieser Rasse eignen. Zu beachten ist allerdings, das Schafe Herdentiere sind und von daher mindestens drei oder vier Tiere gehalten werden sollten. Neben einem kleinen Unterstand (min. dreiseitig geschlossen) ist nur noch regelmäßig frisches Wasser, ein Mineral- oder Salzleckstein sowie immer Heu zur freien Verfügung erforderlich.

Während des Sommers ist Zufüttern nicht notwendig, sofern genug Weideland zur Verfügung steht. Im Winter können trockenes Brot, Rüben/Runkeln, Pellets, Kartoffelschalen, Maiskolben, Karotten, Futter-Hafer etc. zugefüttert werden. Man sollte jedoch nicht "durcheinander" zufüttern. Wenn man beabsichtigt anstatt einer hofeigenen Getreidemischung regelmäßig ein pelletiertes Fertigkraftfutter zuzufüttern, dann sollte man 30 Tage lang Tag für Tag die Getreide-Rationen reduzieren und im Gegenzug die Pellets mehr werden lassen, sodass nach den 30 Tagen nur noch Pellets zugefüttert werden. Es ist immer wieder zu hören, dass Ouessantschafe überfüttert worden sind. Es wird empfohlen, lediglich Heu zu füttern und ab und an trockenes Brot oder Futter-Hafer in Maßen (als Leckerli).

Schafe sind Wiederkäuer und die Futterverwertung basiert auf der Umsetzung des Schaffutters im Pansen durch die Pansenflora (Bakterien). Diese Bakterien brauchen relativ lange, um ihre Zusammensetzung bei einem Futterwechsel so anzupassen, dass das Futter optimal verwertet wird. Fütterungsfehler (zu schneller Wechsel) können leicht zu Fehlgährungen führen und damit das Tier in Lebensgefahr bringen. Man kann sich die Funktion der Pansenflora so vorstellen: Die Bakterien im Pansen fressen das Futter des Schafes und das Schaf widerum verwertet die Stoffwechselprodukte der Bakterien oder auch die Bakterien selber.

Während der Tragezeit der Tiere kann man regelmäßig ein wenig Kraftfutter (z. B. Futter-Hafer), aber max. 20g pro Tier pro Tag, zufüttern, dann klappt´s besser mit der Geburt des Nachwuchses ;-).

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Quelle der nachfolgenden Bilder:
Arche Nova, Fachzeitschrift der Vereine und Verbände zur Erhaltung gefährdeter Nutztierrassen
Ausgabe I. Quartal März 1/2016, Herausgeber: Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e. V. (GEH), Witzenhausen
Autor: Jürgen Schneider von der "Arbeitsgemeinschaft Erhaltungszucht"

 

 

 

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